kreative Texte von mir …


… veröffentlicht in …

Letzte Änderung: 5.8.2020


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LitHerbst HD Plädoyer für die Literatur

Literaturherbst Heidelberg

Das Schreiben in den Zeiten von Corona

Ein multimediales Tage- und Skizzenbuch von Heidelberger Autorinnen und Autoren

Literaturherbst Heidelberg - Coronatagebuch

Corona-Haikus am 11.4. und 25./26.4. sowie ein Tanka beim 2. Juli-Update und Gedicht „Recyclinghof“ beim August-Update

 

Anthologie „Verästelter Sinn“, Lyrikprojekt SternenBlick, Berlin; 2019

ISBN-13: 978-3735741356

Gedicht „Stammbaumstamm“

 

Bubenreuther Literaturwettbewerbe:

ISBN-13: 978-3734562228    ISBN-13: 978-3746992457    ISBN-13: 978-3749771356

Kurzgeschichten „Abendstern ade“, „Am Strand“ und „Die Kücheninsel“

   

Anthologie „Die Spiele der Götter“, Alea Libris, Neustetten; 2016

Kurzgeschichte „Akúo“


… was es nur hier gibt …

Cards of Glass

and so we built this house of cards
but the cards were shards of glass
mirroring beauty and hidden isolation
none reflected on what we did
until someone did
and everything froze falling in mid-air

Und mal wieder mit dem Kopf durch die Wand:

Und mal wieder mit dem Kopf durch die Wand ...

Saum der Dämmerung
ganz leicht geknickt
auf tauträumender Wiese
und sicher, unbesehen
tanzt ein Tausendschön
ein schläfriges Lächeln

einer Nachtigall Lied
dringt perlend durch
die gedämmte Hauswand zu mir
wie kann etwas so Schönes
so strahlend stark sein?

... ein Limerick-Trübtichon ...

Es hatt’ ein Autor aus Hannover
nach der englischen Lesung Hangover.
Er kam nicht nach Haus,
mit der Muse war’s aus.
Jetzt hockt er verpeilt auf dem Sofa.

Zwei Teenies aus Stockstadt am Rhein
war’n zuhause, es musste so sein.
Das Lock war down,
jetzt konnten sie schau’n:
ohne Netz bist du ziemlich allein.

Eine Mutter aus Bernkastel-Ku-es
sprach: Jetzt ist es so weit, ja, ich tu es!
Mein Leben ist leer,
ich will aber mehr –
jetzt sing ich den Reihenhaus-Blu-es!

there was this tiny heart of paint

drawn and freed from all constraint

you lot, stop looking for more

there’s no secret, no sense, no encore

 

„Ich sah im Tropenhaus …“
Ich sah im Tropenhaus zwei aneinandergeseilte Bäume. Sie waren das erste Mal zusammen unterwegs, für Bäume ist das gar nicht einfach. Deshalb das Sicherungsseil. Auf Helme verzichteten sie dagegen, denn das zusätzliche Gewicht hätte sie noch kippliger gemacht. So staksten sie voran, schwankend wie im Tropensturm, und waren einander Stütze, Hemmnis und Lebensfaden zugleich.

Ich überlegte, ob ich ihnen folgen sollte. Ein abgeseiltes Bäumchen als drittes Rad auf dem Holzweg. Oder ob ich an ihrer statt Wurzeln schlagen sollte. Überhaupt irgendetwas auch nur Zentimeter außer der Reihe tun. Ich entschied mich dagegen.

TheobromaTropenhaus

µ

 

 

µ

Kleines blaues Tier mit Schmerzen
im schlechten Versteck,
schmieg deine Nase ans Fell
und warte auf die Dunkelheit.

 

 

... und noch ein Corona-Limerick

Ein Löwe im alten Mykene
blieb bereitwillig in Quarantäne
es war ein Retreat
wie’s selten geschieht
von den Partys bekam er nur noch Migräne

 

... and a mechanical one …

There was a fair lady from Cork
who’d much rather perform in New York.
Her head spun around
without any bound.
She’d experienced too much of a torque.


Corona

Baumpilz. gelb

 

 


Wenn Bäume helfen könnten
Xenia schaut nach oben. Verzwirbelte Zweige, fiedrige Blätter, dazwischen Flicken aus Wolken und Himmelsblau. Der starke Ast, auf dem sie liegt, hält sie wie ein liebevoller Riese mit knorrigen Fingern über dem Rheinarm, der träge unter ihr entlangfließt. Bienen, Mücken und Falter schwirren um ihren Kopf, Bilder vor ihren Augen: Die wütenden Blicke der besorgten Nachbarn. Kevins unbeholfenes Grinsen. Tätowierte Mädchenarme. Das Haus, das ihre Eltern nicht bezahlen können. Das Bild auf Instagram von den toten Flüchtlingskindern. Die knittrige Jacke des Mathelehrers. Eine schwarzweiße Katze.

Flussaufwärts hört Xenia Stimmen, sie sieht hinüber. Zwei kleine Mädchen in langen dunklen Kleidern spielen am Damm. Da – ein Schrei! Die kleinere rutscht ab und zappelt hilflos in einem Strudel. Das größere Mädchen fuchtelt panisch auf einem Stein, will hinterher. Xenia gleitet ohne zu denken von ihrem Ast – oder schiebt der sie hinunter, hinüber, sodass sie fast direkt neben dem Strudel ins Wasser taucht? Sie bekommt die Kleine zu fassen, drückt den Kopf über Wasser, schreit die größere an: „Bleib stehen!“. Mit übermenschlicher Kraft tritt sie Wasser. Etwas zieht sie zum Ufer – die starken Wurzeln ihres Baums. Die Kleine spuckt krampfhaft, doch sie atmet. Ihr nasses dunkles Kopftuchgesicht ist wunderschön. Wie fremd war sie hier.

 

noch zwei Corona-Haikus

Chats im Frühlingsschlaf
straff gezügelte Panik
Sozialdistanz

verkehrt das Leben
mobiles Bioproblem
Programmierfehler

 

natürlich

Die Sonne
sollte scheinen, wenn meine Liebe blinzelnd erwacht
und sie lächeln lassen.

Der Mond
müsste leuchten, wenn ein Quartett allmählich verklingt
abends im Blütenduft.

Und der Wind
würde wehen, wenn die Flut den Strand nimmt,
und alles wird neu.


Wo waren wir stehen geblieben? – Am Abgrund.

Rousseaus Scheißsystem-Gastronomie

Der Mensch ist frei geboren
und überall isst er in Ketten.

Vapiano.

… (c) Matthias Delbrück